Amazon FBA · Umsatzsteuer 2026

Amazon FBA in Deutschland: Umsatzsteuer-Pflichten für ausländische Unternehmen

Veröffentlicht: 8. Juli 2026 · 10 Min. Lesezeit · Read in English

Vaytax Steuerberatungs-Team

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Zugelassener Steuerberater · reicht Ihre Meldungen beim Finanzamt ein

Vaytax wird von der FRADECO GmbH betrieben, einer deutsch-französischen Steuerberatungsgesellschaft für grenzüberschreitende deutsche Umsatzsteuer. Jede Erklärung wird von einem zugelassenen deutschen Steuerberater geprüft und eingereicht.

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Das Wichtigste in Kürze

Lagert Amazon Waren eines ausländischen Unternehmens in einem deutschen Logistikzentrum (FBA), entsteht sofort eine deutsche Umsatzsteuer-Registrierungspflicht: Für Unternehmen ohne Niederlassung in Deutschland gibt es keine Umsatzgrenze. Amazon verlangt eine gültige deutsche USt-IdNr. und kann Angebote sperren, weil Marktplätze nach § 25e UStG für unbezahlte Umsatzsteuer ihrer Händler haften können. Die Registrierung beim Finanzamt dauert realistisch 4 bis 8 Wochen; danach ist die Umsatzsteuer-Voranmeldung (UStVA) in der Regel monatlich bis zum 10. des Folgemonats abzugeben. Wer bereits vor der Registrierung verkauft hat, muss die Umsatzsteuer rückwirkend ab dem ersten steuerpflichtigen Umsatz nachmelden.

Informationen geprüft durch Vaytax, Stand Juli 2026. Quellen: UStG (§ 3, § 18, § 22f, § 25e), BZSt.

Sie führen ein Unternehmen im Ausland, etwa eine britische Ltd, eine US-amerikanische LLC, eine estnische OÜ oder eine Schweizer AG, und verkaufen über Amazon an Kunden in Deutschland. Dann gilt für Sie eine Besonderheit, die viele Händler unterschätzen: Die deutsche Umsatzsteuer-Registrierungspflicht hängt nicht von einer Umsatzgrenze ab, sondern beginnt mit dem ersten Tag, an dem Amazon Ihre Ware in einem deutschen Logistikzentrum lagert. Dieser Leitfaden erklärt, wann die Pflicht entsteht, warum Amazon Verkäufer ohne gültige Umsatzsteuer-Nachweise sperrt, welche Nummern Sie brauchen, wie OSS und das Pan-EU-Programm zusammenspielen und was zu tun ist, wenn Sie bereits verkauft haben.

Wann löst Amazon FBA eine deutsche Registrierungspflicht aus?

Der entscheidende Moment ist die Einlagerung. Sobald Ihr Bestand in einem deutschen Amazon-Logistikzentrum ankommt, zum Beispiel DE1 (Werne), DE2 (Rheinberg), DE3 (Graben) oder DE4 (Bad Hersfeld), haben Sie eine steuerbare Präsenz in Deutschland: Lieferungen, deren Warenbewegung in einem deutschen Lager beginnt, gelten umsatzsteuerlich als im Inland ausgeführt. Damit muss sich Ihr Unternehmen beim zuständigen Finanzamt umsatzsteuerlich registrieren lassen, idealerweise bevor die ersten Verkäufe stattfinden.

Eine Umsatzgrenze gibt es dabei nicht. Inländische deutsche Unternehmen können unter die Kleinunternehmerregelung mit einer Umsatzgrenze von 25.000 € fallen; für ausländische Unternehmen ohne Niederlassung in Deutschland gilt diese Regelung nicht. Die Schwelle liegt für Sie faktisch bei 0 €, die Registrierungspflicht beginnt mit dem ersten steuerpflichtigen Umsatz.

Wichtig für die Amazon-Programme: Sowohl das Pan-EU-Programm als auch das europäische Versandnetzwerk (EFN) lösen dieselbe Pflicht aus, sobald Ware in Deutschland eingelagert wird. Beim Pan-EU-Programm ist die Lagerung in Deutschland der Standardfall. Ob Ihre konkrete Konstellation eine Registrierungspflicht auslöst, prüfen Sie mit unserem Selbsttest zur deutschen Umsatzsteuer in rund 60 Sekunden.

Warum sperrt Amazon Verkäufer ohne gültige deutsche Umsatzsteuer-Nummer?

Deutschland nimmt Marktplatzbetreiber gesetzlich in die Pflicht. Nach § 22f UStG muss Amazon die umsatzsteuerlichen Daten seiner Händler aufzeichnen, insbesondere eine gültige deutsche USt-IdNr. Nach § 25e UStG kann der Marktplatzbetreiber darüber hinaus für nicht abgeführte Umsatzsteuer seiner Händler haften. Genau deshalb kontrolliert Amazon die Umsatzsteuer-Compliance so streng: Ohne gültige Nachweise riskiert Amazon eigenes Geld und kann Verkaufsdaten direkt an die deutschen Steuerbehörden melden.

In der Praxis verlangt Amazon von ausländischen Händlern drei Dinge: die vom Finanzamt ausgestellte Registrierungsbescheinigung (Upload in Seller Central), eine gültige USt-IdNr. mit dem Präfix DE sowie laufend aktuelle Meldungen. Fehlen diese Nachweise, drohen die Unterdrückung einzelner Angebote bis hin zur Sperrung des gesamten Verkäuferkontos.

Hinzu kommt: Amazon hat sein Programm „VAT Services on Amazon“ zum 31. Oktober 2024 eingestellt. Über 200.000 Händler, die Registrierung und Meldungen zuvor über dieses Programm abgewickelt hatten, müssen ihre Umsatzsteuer-Compliance seitdem selbst organisieren. Amazon stellt weiterhin Transaktionsberichte bereit, erstellt und übermittelt aber keine Umsatzsteuervoranmeldung mehr.

Steuernummer oder USt-IdNr.: Welche Nummern brauchen Sie?

Beide, denn es handelt sich um zwei verschiedene Nummern. Die Steuernummer erteilt das zuständige Finanzamt nach Abschluss der Registrierung; sie ist Ihre inländische deutsche Steuernummer und die Grundlage für die Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldung. Die USt-IdNr. (Format: DE plus neun Ziffern) vergibt das Bundeszentralamt für Steuern; sie dient grenzüberschreitenden EU-Umsätzen und ist die Nummer, die Amazon in Seller Central abfragt. Beantragt wird sie nach Erteilung der Steuernummer. Für die laufende Compliance brauchen Sie also die Steuernummer gegenüber dem Finanzamt und die USt-IdNr. gegenüber Amazon und Ihren EU-Geschäftspartnern.

Reicht der OSS, oder brauchen Sie trotzdem eine deutsche Registrierung?

Verkaufen Sie aus einem anderen EU-Land an deutsche Privatkunden, gilt die EU-weite Fernverkaufsschwelle von 10.000 € (für alle EU-Fernverkäufe zusammen). Oberhalb dieser Schwelle schulden Sie die Umsatzsteuer des Bestimmungslandes und können diese Umsätze über den Union-OSS in einer einzigen Quartalsmeldung erklären.

Der OSS ersetzt die deutsche Registrierung jedoch nicht, sobald ein deutsches Lager im Spiel ist. Er erfasst ausschließlich grenzüberschreitende Fernverkäufe an Privatkunden. Lieferungen aus einem deutschen Logistikzentrum an deutsche Kunden sind Inlandsumsätze: Sie gehören in die deutsche Umsatzsteuervoranmeldung und setzen eine lokale Registrierung voraus. Für FBA-Händler mit deutschem Lagerbestand gilt deshalb in aller Regel beides: die lokale deutsche Registrierung plus, je nach Vertriebsstruktur, der Union-OSS für Fernverkäufe in andere EU-Länder.

Das Pan-EU-Programm verschärft das Thema zusätzlich: Amazon verteilt Ihren Bestand aktiv auf Lager in mehreren Ländern, etwa Polen, Tschechien, Frankreich, Italien oder Spanien. Jedes Land, in dem Ware für Sie gelagert wird, begründet dort eigene Registrierungs- und Meldepflichten. Wer Pan-EU aktiviert, sollte die Länderauswahl bewusst steuern und die Folgekosten vorab einplanen.

Wie läuft die Registrierung ab und wie lange dauert sie wirklich?

Die Registrierung läuft über den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, der beim zuständigen Finanzamt eingereicht wird. Welches Finanzamt zuständig ist, richtet sich nach dem Herkunftsland Ihres Unternehmens. Auch die erforderlichen Unterlagen variieren je nach Land: Eine britische Ltd reicht beispielsweise das Certificate of Incorporation samt Articles of Association ein, eine US-LLC das Gründungszertifikat plus EIN.

Realistisch sollten Sie für die Erteilung der Steuernummer 4 bis 8 Wochen einplanen. Das Tempo bestimmt das Finanzamt, nicht Amazon. Danach beantragen Sie die USt-IdNr., hinterlegen Bescheinigung und Nummer in Seller Central und starten mit den monatlichen Meldungen. Den vollständigen Ablauf, inklusive Zuständigkeiten und Unterlagenliste, beschreibt unser Leitfaden zur Umsatzsteuer-Registrierung für ausländische Unternehmen.

Wie Vaytax Amazon-Händler dabei konkret unterstützt, von der Registrierung bis zur laufenden Meldung, zeigt unsere Serviceseite zur Umsatzsteuer für Amazon-Händler.

Was gilt, wenn Sie bereits verkauft haben? Umsatzsteuer rückwirkend nachmelden

Die Registrierungspflicht entsteht rückwirkend mit Ihrem ersten steuerpflichtigen Umsatz in Deutschland, nicht erst mit dem Datum, an dem Sie sich registrieren. Wer also bereits aus einem deutschen Lager verkauft hat, schuldet die Umsatzsteuer für alle zurückliegenden Zeiträume. Das Finanzamt kann zusätzlich Zinsen und Verspätungszuschläge festsetzen, und Amazon kann das Konto sperren, bis gültige Nachweise vorliegen.

Der wirtschaftlich günstigste Weg ist deshalb, sich vor Verkaufsstart zu registrieren. Ist der Verkauf schon angelaufen, gilt: so schnell wie möglich registrieren und alle offenen Zeiträume vollständig nachmelden. Eine proaktive Nachmeldung stellt Sie erheblich besser, als abzuwarten, bis das Finanzamt oder Amazon auf Sie zukommt.

Welche laufenden Pflichten folgen nach der Registrierung?

Nach Erteilung der Steuernummer beginnen die laufenden Meldepflichten. Ausländische Unternehmen geben die Umsatzsteuervoranmeldung in der Regel monatlich ab, elektronisch und jeweils bis zum 10. des Folgemonats. Wichtig: Auch für Monate ohne einen einzigen Verkauf ist eine Nullmeldung einzureichen.

Inhaltlich melden Sie jeden Monat Ihre deutschen Verkäufe (Nettobeträge zu 19 % oder 7 %), innergemeinschaftliche Lieferungen an Unternehmen in anderen EU-Ländern sowie die Vorsteuer aus deutschen Eingangsrechnungen. Als Datengrundlage dienen die Amazon-Berichte, insbesondere der VAT Transactions Report (Seller Central, Tax Document Library) und der Date Range Report.

Die Zahlung geht direkt an das Finanzamt, nicht an Amazon: Der Zahlbetrag aus der Voranmeldung ist bis zur Abgabefrist zu überweisen, mit Ihrer Steuernummer als Verwendungszweck. Zusätzlich zur monatlichen Voranmeldung ist jährlich eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung abzugeben. Alle Termine für das laufende Jahr, inklusive Wochenendverschiebungen und Dauerfristverlängerung, finden Sie in unserer Fristenübersicht 2026.

Häufige Fragen

Brauchen Amazon-FBA-Händler eine deutsche Umsatzsteuer-Registrierung?

Ja, sobald ihr Bestand in einem deutschen Amazon-Logistikzentrum gelagert wird. Mit der Einlagerung entsteht eine steuerbare Präsenz in Deutschland, und die Registrierungspflicht beginnt ohne Umsatzgrenze mit dem ersten steuerpflichtigen Umsatz. Pan-EU und EFN lösen dieselbe Pflicht aus, sobald Ware in Deutschland liegt. Amazon verlangt die deutsche USt-IdNr. und kann Angebote ohne gültige Nummer sperren.

Kann Amazon meine deutsche Umsatzsteuervoranmeldung für mich einreichen?

Nein. Amazon hat sein Programm VAT Services on Amazon zum 31. Oktober 2024 eingestellt. Händler müssen ihre Umsatzsteuer-Compliance seitdem selbst organisieren, etwa über einen Steuerberater oder einen spezialisierten Anbieter. Amazon stellt weiterhin Transaktionsberichte bereit, erstellt und übermittelt aber keine Voranmeldung mehr.

Was passiert, wenn ich ohne deutsche USt-Nummer auf Amazon.de verkaufe?

Drei Risiken verstärken sich gegenseitig: Amazon kann Angebote unterdrücken und das Verkäuferkonto sperren; das Finanzamt kann die Umsatzsteuer rückwirkend ab dem ersten steuerpflichtigen Umsatz nachfordern, zuzüglich Zinsen und Zuschlägen; und weil Marktplätze nach § 25e UStG für unbezahlte Umsatzsteuer ihrer Händler haften können, kontrolliert Amazon die Compliance streng. Am günstigsten ist die Registrierung vor Verkaufsstart.

Ersetzt der OSS die deutsche Umsatzsteuer-Registrierung?

Nein, nicht bei Lagerung in Deutschland. Der Union-OSS erfasst nur grenzüberschreitende Fernverkäufe an Privatkunden in anderen EU-Ländern. Lieferungen aus einem deutschen Lager an deutsche Kunden sind Inlandsumsätze und gehören in die deutsche Umsatzsteuervoranmeldung. FBA-Händler mit deutschem Bestand brauchen daher die lokale Registrierung, gegebenenfalls zusätzlich zum OSS.

Wie zahle ich die deutsche Umsatzsteuer als Amazon-Händler?

Direkt an Ihr Finanzamt, nicht an Amazon. Nach Abgabe der monatlichen Voranmeldung überweisen Sie den Zahlbetrag (Umsatzsteuer auf Ihre deutschen Verkäufe abzüglich Vorsteuer) bis zum 10. des Folgemonats, mit Ihrer Steuernummer als Verwendungszweck. Eine Ausnahme sind bestimmte B2C-Verkäufe von Händlern mit Sitz außerhalb der EU: Hier führt Amazon die Umsatzsteuer nach § 3 Abs. 3a UStG selbst ab, diese Umsätze laufen nicht über Ihre eigene Voranmeldung.

Wie lange dauert es bis zur Steuernummer und USt-IdNr.?

Für die Steuernummer sind realistisch 4 bis 8 Wochen einzuplanen, abhängig vom zuständigen Finanzamt und der Vollständigkeit der Unterlagen. Die USt-IdNr. wird nach Erteilung der Steuernummer beim Bundeszentralamt für Steuern beantragt. Das Tempo bestimmt das Finanzamt, nicht Amazon; unvollständige Anträge verlängern die Bearbeitung deutlich.

Amazon FBA in Deutschland: Registrierung und Meldungen aus einer Hand

Vaytax registriert Ihr Unternehmen für die deutsche Umsatzsteuer und reicht jede Meldung fristgerecht ein, geprüft von einem zugelassenen deutschen Steuerberater. Für Unternehmen ohne deutsche Steuernummer: 1.199 € pro Jahr, alles inklusive (Registrierung + alle laufenden Meldungen), bei Buchung sofort berechnet. Mit vorhandener Steuernummer: 79 € pro Monat oder 853 € pro Jahr. Die Plattform und der Registrierungsablauf sind auf Englisch; die Betreuung ist auch auf Deutsch möglich.

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Die englische Fassung dieses Beitrags: Amazon VAT Germany: What Every FBA Seller Must Know in 2026.

Allgemeine Information, keine Steuerberatung im Einzelfall. Stand Juli 2026, geprüft gegen UStG (§ 3, § 18, § 22f, § 25e) und die Angaben des BZSt.

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